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Borderline, Depression, Esstörung u. Co

Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass Menschen mit Borderline, Depression, Esstörungen oder was auch immer gerne ihren Schmerz kreativ ausdrücken. Manche ziehen sich nur schwarze Klamotten an und andere haben ihre Homepage voller düsterer Bilder. Bei manchen geht es sogar soweit, dass sie sogar das Sonnenlicht meiden.

Und ich muss sagen, ich hatte auch eine Phase in der es mir ähnlich ging. Ganz am Anfang meiner Borderline Erkrankung hatte ich auch mit täglichen Kopfschmerzen und einer schweren Depression zu kämpfen. Ich war eingesperrt in dem Teufelskreis aus Schmerz, Trauer, Depression und Gefühlschaos.
Anfangs liebte ich es auch meinen Hass auf diese Welt auszudrücken und allen zu zeigen wie schlecht es mir ging.
Ich habe düstere Bilder gesammelt und mir negative Videos reingezogen. Irgendwann habe ich dann angefangen diese düsteren Bilder auf Facebook zu stellen. Wie bei vielen anderen Borderlinern ging es mir dabei aber hauptsächlich um Aufmerksamkeit. Ich wollte der Welt zeigen wie schlecht es mir ging und ich wollte bemitleidet werden.
Ich hab, wie viele von euch den ganzen Tag nichts anderes getan, also die Wut auf diese Welt in Bildern, Gedichten oder was auch immer auszudrücken.

Irgendwann bekam ich aber nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit und ich wollte nicht mehr öffentlich Preis geben, dass es mir schlecht ging. Noch dazu waren meine Freunde nicht sehr begeistert davon. Also hörte ich auf diese Dinge mit der Welt zu teilen, machte sie aber immer noch für mich selbst.

Nach einer gewissen Zeit fing ich aber an, einfach so auch schöne Bilder zu sammeln. Denn die schönen Bilder gaben mir Hoffnung. Jedesmal wenn ich diese Bilder anschaute hoffte ich dass ich später auch einmal diese schönen Dinge haben könnte.

Ich gestaltete damals eine Mappe für meine Therapie und entschied mich nicht nur düstere sondern auch schöne Bilder auf die Mappe zu kleben. Einerseits weil Borderline nicht nur aus schlechten Phasen besteht sondern auch aus guten. Und der zweite Grund war, dass mir diese Bilder Hoffnung gaben.

Ich lies mich jahrelang bemitleiden, doch irgendwann bemerkte ich dass mir das überhaupt nicht weiterhalf. Ich hatte überhaupt nichts davon, es brachte mich nicht weiter auf meinen Weg und machte alles noch schlimmer.

Ich bemerkte auch dass es mich triggert wenn ich mir Seiten ansah auf denen Rasierklingen zu sehen war oder Menschen die sich ritzten. Anfangs hatte ich mir diese Bilder immer angeschaut um auch meinen Schmerz auszudrücken. Doch es zog mich immer tiefer in ein loch. Wenn ich mir zb. einen Film über Borderline anschaute musste ich mich danach sofort verletzen, weil es eben triggerte.

Es dauerte seine Zeit aber irgendwann merkte ich dass mir lustige Filme in schlechten Zeiten am meisten helfen. Es tut der Seele gut auch mal lachen zu können. Noch dazu höre ich mir keine Depri-Musik mehr an und schaue mir auch keine Videos oder Bilder mehr an, die negativ sind.

Stattdessen habe ich meine Einstellung verändert. Auch wenn das Leben total beschissen ist und man am liebsten der ganzen Welt zeigen möchte wie schlecht es einem geht, sollte man das nicht tun. Es tut einem nicht gut. Es triggert.

Ich habe mir für mich vorgenommen, sich kleine Hoffnungen in seinem Leben zu setzen. Ja ich weiß, dass Leben ist beschissen und ich würde es sofort umtauschen, wenn ich könnte. Aber wenn es schon beschissen ist, sollte man sich nicht noch tiefer in das Loch hineinziehen lassen als man sowieso schon drinnen ist. Daher habe ich ein paar Hoffnungsschimmer in meinem Leben gesetzt.

Ich bin 23 Jahre alt, aber es sitzt zb. ein Stofftier in meinem Bett. Er ist ein total lieber Eisbär, der mich immer total lieb anschaut wenn ich traurig bin und mit dem ich kuscheln und weinen kann. Er gibt mir Hoffnung, dass es irgendwann vielleicht besser wird, und das wird es.

Dann habe ich ganz viele lustige DVD s. Wenn es mir nicht gut geht schnappe ich mir eine Dvd und schaue sie mir an. Es bringt mich zum Lachen und lenkt mich eine Zeit lang vom Problem ab.

Des weiteren habe ich nur Dinge in meinem Zimmer die mir gefallen. Angefangen bei meiner Lieblingsbettwäsche bis hin zu Lieblingsbüchern. Zum gestalten meines Zimmers verwende ich meine Lieblingsfarben, die schön farbenfroh sind. Ich denke Farben, sind wie Licht sehr wertvoll für die Seele und sollten daher nicht ausser Acht gelassen werden.

Mittlerweile habe ich sogar ein paar motivierende Songs gefunden, die ich mir immer anhöre, wenn ich in einem Tief bin.

Und die schwierigste Aufgaben von allen war für mich das rausgehen. Immer wenn es mir schlecht ging habe ich mich in meinem Zimmer verkrochen. Doch eines der wichtigsten Hoffnungsschimmer ist es selbst dann nach draußen zu gehen, wenn es einem beschissensten geht.

Ablenkung ist das wichtigste egal ob bei einer Depression, bei Borderline oder bei einer Esstörung. Einfach raus gehen und irgendwas tun dass einem Spass macht und ablenkt. Es gibt so viele Möglichkeiten raus zu gehen.

Für mich war das immer total schwer. Ich wollte mich in einer Depri-Phase IMMER im Bett verkriechen und den ganzen Tag schlafen. Irgendwann habe ich das nicht mehr geduldet und habe eine Vereinbarung mit mir selbst gemacht. Wenn es mir wirklich so schlecht geht dass ich nicht aus dem Bett kann, dann gilt folgender Deal. Ich darf 1-2 Stunden schlafen, muss dann aber raus gehen und irgendwas unternehmen. Egal ob ich spazieren gehe, in die Stadt fahre oder Sport mache. Es ist Pflicht aus dem Haus zu gehen und irgendwas zu machen das ablenkt. PFLICHT !!!! Egal wie sehr sich der Körper dagegen sträubt. Ich mag nicht, zählt nicht. In diesen Phasen darf man nicht auf seine Gedanken hören, denn die wollen nur, dass es einem schlechter geht.

Anfangs war es total schwer, aber mittlerweile brauche ich diesen Deal nicht einmal mehr. Ich gehe raus ohne vorher zu schlafen und es geht mir danach meist um einiges besser. Egal wenn es nur kurze Zeit anhält. Ist es das nicht zumindest wert, dass es einem kurz besser geht als dauernt schlecht?
Ich finde es ist es wert.

Ich versuche auch aus jeden noch so beschissenen Tag das beste zu machen. Wenn das Leben es einem schon schwer genug macht, sollte man es sich selbst auch noch schwer machen indem man sich zurück zieht und einpunkert und gar nichts mehr schönes erlebt. Der Trick dabei ist sich lauter kleine positive Dinge ins Leben zu setzen.

Es sind die kleinen Dinge die etwas bewegen. Ich mache mir morgens mein Lieblingsfrühstück und geniesse es. Ich kaufe mir unterwegs ein Eis. Ich spaziere zu einem Bach und höre das rauschen des Wassers. Oder vielleicht hat man ja das Meer vor der Haustür. Egal ob man seine Lieblings DVD schaut, sich ein Eis gönnt, sich ein neues T Shirt kauft oder mit einer Freundin auf einen Kaffee geht. Es sind die kleinen Dinge die auf Dauer etwas großes Verändern.

Egal wie beschissen der Tag ist, versuche kleine positive Hoffnungsschimmer zu verteilen und erfreue dich an kleinen Dingen. Freue dich über eine Blume am Wegesrand.

Ja, ich weiß. Manche denken sich jetzt was soll der Scheiß. Ich bin depressiv und eine alberene Blume soll mich aufheitern.
Das habe ich mir anfangs auch gedacht, ich wollte nicht spazieren gehen und Blumen pflücken. Was sollte mir das schon bringen. Aber das war der erste Schritt in die Erkenntnis dass man für sein Leben selbst Verantwortung übernehmen muss.

Man kann selbst entscheiden ob man total depressiv im Bett liegen bleibt und sich Depri Songs reinzieht oder ob man rausgeht und zumindest versucht ein klein wenig an der Situation zu ändern.

Mir hat es geholfen wenn es Dinge gibt die mir Hoffnung geben. Egal ob mein Eisbär, der in meinem Bett sitzt, Fotos von der Familie, die Lieblingsbettwäsche oder die Lieblingseissorte.

Es ist einfach wichtig, dass es kleine positive Moment im Leben gibt. Und es ist auch wichtig diese zu sehen.

Auch wenn das Leben noch so beschissen ist, Selbstmitleid und Mitleid von anderen bringt einem nicht weiter. Auch wenn ich das noch sehr gern gehabt hätte. Man muss selbst für sein Leben Verantwortung übernehmen. Und NUR DU kannst bestimmen, ob du dein Leben verändern möchtest. Gibt deinem Leben kleine Hoffnungsschimmer. Pflanze täglich ein paar positive Dinge in dein Leben.

Traurig

Heute bin ich traurig, weil ich nach Hause gekommen bin und sich niemand wirklich freut. Das macht mich so traurig, dass ich nicht mal mehr weiß ob ich überhaupt noch heim fahren soll